Kommt Amazon nun durch die Hintertür?

IMG_20211005_125310Nachdem der Gemeinderat von Memmingerberg am 27.09. einstimmig gegen den vorgelegten Bauantrag für ein Verteilzentrum gestimmt hat, holt der Online-Riese nun zum nächsten Schlag aus. Der Allgäu-Airport hat beim Luftamt Südbayern den Antrag auf ein Frachtflugverteilzentrum für den Online-Händler Amazon gestellt. Mit diesem Schritt soll jetzt versucht werden trotz der Gegenwehr der kommuna-len Gremien das Vorhaben sozusagen durch die Hintertür doch noch umzusetzen. Der Allgäu-Airport und Amazon lassen sich wie es scheint von demokratischen Pro-zessen nicht beeinflussen und verfolgen ihre Pläne weiter.

Das Bündnis gegen das System Amazon kritisiert dieses Vorgehen scharf. So haben die Bündnispartner BUND und die Vereinigung BÜRGER GEGEN FLUGLÄRM Pres-semitteilungen veröffentlicht in der sie über die Hintergründe informieren.

Der Bündnispartner Bürger gegen Fluglärm zu Nacht-/Frachtflügen:

 

Nacht- und Frachtflüge werden heimlich still und leise genehmigt
Die Bürger gegen Fluglärm sind ungehalten über das Verhalten des Luftamt Südbay-ern.
Am Airport häufen sich Nachtflüge und Flüge deutlich außerhalb der genehmigten Betriebszeiten. Inzwischen sind Nachtflugereignisse am Allgäu Airport relativ zum Taganteil über 10 Mal häufiger als an Deutschlands größtem Airport in Frankfurt. Hier warten die Bür-ger immer noch auf eine Erklärung des Luftamt Südbayern. Den Nachweis hierfür zu führen fällt allerdings schwer, da der Airport seinen gesetzlichen Verpflichtungen auf Veröffentlichung der Fluglärmmessungen nicht mehr nachkommt und dies mit Corona und technischen Problemen begründet. Über Flightradar und Ankunftsmel-dungen am Airport kann behelfsweise aber ein Nachweis geführt werden. Die Sitzung der am Flughafen installierten Fluglärmkommission wurde vom Vorsit-zenden der Fluglärmkommission, Herrn Oberbürgermeister Schilder, ebenfalls we-gen Corona abgesagt. Nun wurde bekannt, dass ohne Anhörung der Fluglärmkom-mission und mit nur teilweiser Einbeziehung der Träger öffentlicher Belange große Hallen für den Frachtflug genehmigt werden sollen. Laut Genehmigungsantrag will Amazon wohl extra für Memmingen neue Frachtflugzeuge kaufen, denn in die Lärm-schutzberechnungen gingen nicht die Werte der großen Amazon-Frachtflieger ein, sondern die von viel kleineren Fliegern. „Ein Schelm wer Böses dabei denkt“, so Prof., Buchberger. Wenn man an die Anfangsjahre des Flughafens denkt, so reiht sich ein gebrochenes Versprechen an das andere… kein Regionalflughafen, niemals Nachtflug, kein Fracht-flug. 2007 wurde der Regionalflughafen genehmigt, 2015 der Nachtflug und nun soll der Frachtflug ermöglicht werden. Politik und Wirtschaft sollten ihre Versprechen an die Bürger ernster nehmen.

Der Bündnispartner BUND Naturschutz zum Vorhaben im Bezug auf unsere Umwelt:

 

Allgäu-Airport beantragt Frachtflug- Infrastruktur für Amazon
Der Allgäu-Airport hat beim Luftamt Südbayern den Antrag auf ein Frachtflugverteilzentrum für den Online-Händler Amazon gestellt. Der BUND Naturschutz (BN) kritisiert diese Pläne scharf.
„Waren mit dem Flugzeug zu transportieren ist die mit Abstand umweltschäd-lichste Form des Gütertransports“, so der BN-Landesvorsitzende Richard Mergner. „Daher lehnen wir die Pläne eines Amazon-Frachtverteilzentrums am Allgäu-Air-port ab. Wenn wir die Klimaziele von Paris erreichen wollen, müssen wir jetzt den Güterverkehr auf die Schiene verlagern und nicht auf das Flugzeug.“
„Der Einstieg des Allgäu-Airport in den Frachtflugverkehr wird die Belastungen der Anwohner in der Umgebung des Flughafens noch weiter erhöhen“, befürchtet Helmut Scharpf, Vorsitzender der BN-Kreisgruppe Memmingen-Unterallgäu. „Der Einstieg in den Frachtflugverkehr bedeutet einen Dammbruch, obwohl die Lokal-politik immer versprochen hat, dass der Allgäu-Airport ein reiner Passagierflugha-fen bleibt.“
Dass Amazon am Allgäu-Airport ein regionales Verteilzentrum bauen will, ist schon länger bekannt. Zuerst versuchte Amazon auf einer Gewerbefläche unterzukom-men, welche den Allgäuer Städten und Landkreisen gehört. Nachdem dort keine Zu-stimmung zu erwarten war, will Amazon nun auf Flächen des Allgäu Airport selber bauen. Von einer Belieferung des Verteilzentrums mit Flugzeugen war nie die Rede.
Doch nun hat die Allgäu Airport GmbH beim Luftamt Südbayern einen Antrag auf ein Flugfrachtverteilzentrum für den Online-Händler gestellt. Die Genehmigung soll ohne Öffentlichkeitsbeteiligung als Änderung des Planfeststellungsbeschlusses von 2013 erteilt werden.
Transporte mit dem Flugzeug haben im Vergleich zu anderen Transportarten mit großem Abstand die schlechteste Klimabilanz. Laut Umweltbundesamt liegt die Kli-mawirkung des Flugverkehrs pro Tonnenkilometer um den Faktor 45 (internatio-nale Flüge) bis 62 (nationale Flüge) höher als im Schienengüterverkehr.

Quelle: Umweltbundesamt 2020: Ökologische Bewertung von Verkehrsarten; Texte 156/2020: https://www.umweltbundesamt.de/sites/default/files/medien/479/publikationen/texte_156-2020_oe-kologische_bewertung_von_verkehrsarten_0.pdf
Quelle: Umweltbundesamt 2020: Ökologische Bewertung von Verkehrsarten; Texte 156/2020: https://www.umweltbundesamt.de/sites/default/files/medien/479/publikationen/texte_156-2020_oe-kologische_bewertung_von_verkehrsarten_0.pdf

Um die Klimaziele von Paris zu erreichen, muss Bayern bis 2035 klimaneutral sein. Ein Ausbau der Luftfrachtkapazitäten in Bayern steht diesem Ziel diametral entge-gen. Der BUND Naturschutz fordert daher das bei der Regierung von Oberbayern angesiedelte Luftamt Südbayern auf, die Pläne am Allgäu Airport nicht zu genehmi-gen. Sollte es doch zu einer Genehmigung kommen, prüft der BN rechtliche Mittel.
Der Allgäu Airport hat in den vergangenen Jahren viele Millionen Euro Subventio-nen aus Steuermitteln erhalten.

Für Rückfragen stehen Ihnen folgende Personen zur Verfügung:
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  • BUND Naturschutz: Thomas Frey, BN-Regionalreferent für Allgäu/Schwaben, thomas.frey@bund-na-turschutz.de
  • BÜRGER GEGEN FLUGLÄRM« e.V.: Dieter Buchberger, Fraktionssprecher der Grünen: Stadtrat Memmingen, sowie Sprecher der Bürgerinitiative Bürger gegen Fluglärm, dieter.buchberger@gruene-memmingen.de
  • KAB Kreisverband Memmingen Unterallgäu: Myriam Gammer, KAB-Kreissekretärin/Bildungsreferentin, myriam.gam-mer@kab-augsburg.org

Artikel als PDF: Amazon_durch_die_Hintertür

DieBündnispartner

Sowie Bürger gegen Fluglärm e. V.

Das Bündnis gegen das System Amazon informiert in Memmingen zum Tag der ökologisch-sozialen Marktwirtschaft

Foto: Bündnis90/Die Grünen Memmingen
Foto: Bündnis90/Die Grünen Memmingen

Am Montag, dem 13.09. wurde das Bündnis gegen das System Amazon aktiv und informierte die Bürger*Innen an einem Infostand in der Innenstadt von Memmingen über Themen zu nachhaltigen und sozialverträglichen Einkaufsverhalten, sowie zu aktuelle Entwicklungen bei den Ansiedlungsplänen von Amazon in Memmingerberg. Der Flughafen als Bauherr des Projekts stellte vor Kurzem einen Bauantrag beim Landkreis Unterallgäu und machte die Pläne Amazon so wieder konkreter.

Die Allianz besteht aus der Gewerkschaft Ver.di, der Katholischen Arbeitnehmer-Bewegung, dem Kirchlichen Dienst in der Arbeitswelt der Evang.-Luth. Kirche in Bayern, der Betriebsseelsorge in der Diözese Augsburg, dem Bund Naturschutz in Bayern, der Partei Bündnis90/Die Grünen in Memmingen, sowie der Bürgerinitiative Bürger gegen Fluglärm. Viele Ehrenamtliche der Organisationen aus der Region kamen zur Unterstützung. Besonders KAB Mitglieder waren darunter gut vertreten.

Foto: Myriam Gammer
Foto: Myriam Gammer

So tauschte man sich mit Passanten über alternative Einkaufsmöglichkeiten, sowohl online als auch vor Ort aus. Ebenso wurde der kürzlich vom Bio-Ring Allgäu e.V. veröffentliche Bio – Einkaufsführer für das Allgäu verteilt. Darin können sich Konsument*Innen über regionale Einkaufsstellen informieren.

Besuch bekam das Bündnis ebenso von den regionalen Medien. Sowohl der Regionalsender Allgäu TV, als auch ein Vertreter der Memminger Zeitung waren vor Ort. Gemeinsam appellierte das Bündnis an die Menschen zu hinterfragen, wo sie was kaufen könnten. Und wenn schon online bestellt werde, sollten die Kunden erst bei den Läden in der Region schauen. Dabei verwiesen sie auf Versäumnisse der Politik eine solche digitale Infrastruktur bereitzustellen um Unternehmen aus der Region und Konsument*innen zu vernetzen.

Hier geht’s zum Artikel der Memminger Zeitung:
https://www.allgaeuer-zeitung.de/allgaeu/memmingen/amazon-verteilzentrum-memmingen-geplant-allg%C3%A4u-airport-stellt-bauantrag_arid-327097

Schauen Sie sich hier den Bericht von Allgäu TV:
https://www.allgäu.tv/mediathek/video/buendnis-gegen-amazon-infostand-in-memminger-fussgaengerzone/

 

 

Sonntag, Tag des Herrn – die KAB Erkheim – Günztal gestaltet Gottesdienst zum Thema „Freier Sonntag“

Bildquelle: KAB Erkheim
Der Sonntag bringt unseren Alltag wieder ins Gleichgewicht. (Bildquelle: Josef Huber)

Am 01. August stand in Erkheim alles unter dem Zeichen des freien Sonntags. Der Gottesdienst fand unter der Leitung von Pfarrer Ralf Czech statt und wurde von der Betriebsseelsorgerin Dorothee Schindler unterstützt. Aufgrund der schlechten Wetterverhältnisse wurde der Gottesdienst in der Kirche in Erkheim abgehalten und nicht wie traditionell, üblich in der Kapelle im Knaus. Dennoch erfreute sich der Ortsverband eines sehr großen Zulaufs. Für eine Musikalische Umrahmung sorgte eine Bläsergruppe aus Günz.

Um darzustellen, dass ohne Sonntag so einiges anders wäre, wurden zu Beginn Stimmen von Menschen vorgetragen, für die der Sonntag ein ganz anderer Tag ist als die restlichen 6 Werktage.

So hörten die Gottesdienstbesucher unter anderem, dass man in der Woche einen straffen Terminplan habe und dass der Tag getacktet ist: „In die Arbeit, danach die Kleine vom Kindergarten holen, kochen, dann ist Zeit für den Sport und abends treffe ich mich dann noch mit meinen Vereinskollegen. Sonntags ist das anders…“

Auch fühle sich so manch einer wie eine Marionette. „Jeder gibt Termine und Zeiten vor, ob in der Arbeit oder in der Freizeit, ob es die eigenen sind oder die Termine der Kinder und der Ehefrau. . Sonntags ist das anders…“

Dargestellt wurden diese Schilderungen mit Bildkarten, die nach und nach in die Waagschale einer großen Waage gelegt wurden. Sinnbildlich stehend für das Gewicht, welches uns in der Woche belastet.

Doch am Sonntag ist das anders…In der Predigt folgte dann die Schilderung, warum der Sonntag so wichtig ist um dieses Ungleichgewicht an der Waage wieder auszugleichen. Dargestellt durch ein Brot wurde die Bedeutung des Sonntags als wichtiger Bestandteil dessen, was wir zum Leben brauchen aufgeführt. Der Sonntag gibt uns Zeit für Ruhe und Entspannung. An diesem Tag herrscht ein anderer Rhythmus und wir können mit unseren Freunden, unserer Familie zusammen sein und Zeit für Gott finden.

Zum Abschluss richtete Josef Huber der KAB Erkheim noch einige Worte an die Anwesenden. Dabei betonte er, dass der Sonntag ein Tag sei, an dem wir alle gemeinsam ein paar Gänge herunterschalten können. Er ist der Meinung, dass wir diesen verlässlichen gemeinsamen Tag brauchen. Allerdings sei dieser Tag in Gefahr. „Sogar die Partei mit dem „C“ im Namen, die bisher den Sonntag nicht angetastet hat, will nun den Anlassbezug zur Sonntagsöffnung wegnehmen.“ Daher lud er alle Anwesenden ein nach dem Gottesdienst mit den Mitgliedern der KAB über diese Themen und deren Ziele ins Gespräch zu kommen und bat um Unterstützung. Denn man erreiche nur etwas, wenn wir eine starke Gemeinschaft sind.

Aus diesem Grund tritt die KAB für dessen Fortbestand ein und kämpf dafür, dass er uns als freier Tag erhalten bleibt.

 

(Myriam Gammer, KAB Bildungsreferentin)

Guck’sch do, kauf’sch dahoim! Bündnis zum geplanten Amazon – Verteilzentrum

Kein Grund zum Jubeln

Die Berichterstattung über das geplante Verteilzentrum des US – Konzern Amazon in Memmingerberg, sowie die damit einhergehenden Bauvorhaben mögen für Außenstehende fast wie ein wirtschaftliches Wunder klingen: Neue Arbeitsplätze, mehr Raum für Parken, ein Verteilzentrum, das unsere bestellten Waren bald noch schneller vor die Haustüre liefert. Denkt man das Projekt nun aber bis zum Ende hat man schnell keinen Grund mehr zum Jubeln…

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Bild von josemiguels auf Pixabay

Der US – Konzern mischt in vielen Bereichen mit und geht dabei in den seltensten Fällen mit gutem Beispiel voran. Ausgehend von der vor einigen Monaten öffentlichen Diskussion zur Ansiedlung des Unternehmens haben sich daher Organisationen aus unterschiedlichen, gesellschaftlichen Bereichen zusammen geschlossen um gemeinsam auf die Konsequenzen hinzuweisen, die die Ansiedelung eines Unternehmens wie Amazon bringen wird. Die Allianz besteht aus der Gewerkschaft Ver.di, dem Kirchlichen Dienst in der Arbeitswelt der Evang.- Luth. Kirche in Bayern, der Betriebsseelsorge in der Diözese Augsburg, dem Bund Naturschutz in Bayern, der Partei Bündnis90/Die Grünen in Memmingen, der Bürgerinitiative Bürger gegen Fluglärm, sowie der KAB.

Massive Erhöhung des Verkehrsaufkommens

Beim Bau eines Verteilzentrums spielt für Amazon die direkte Anbindung an die A96 und die A7 bei Memmingen eine große Rolle. Laut Amazon sind mehrere hundert Touren im normalen Betrieb am Tag geplant. Die Lieferfahrzeuge sollen in kleinen Wellen eintreffen, in Gruppen abgefertigt und auf die Straßen geschickt werden. Zu beachten ist hierbei auch, dass Amazon in der Regel nicht nur mit seinen eigenen Fahrzeugen unterwegs ist. Durch das Heranziehen mehrerer Subunternehmen und privater Fahrer*Innen durch Amazon Flex wird ein Vielfaches der Fahrzeugmenge auf den Straßen unterwegs sein. Bei diesem Vorhaben ist mit einer massiven Erhöhung des Verkehrsaufkommens zu rechnen. Dabei werden nicht nur die Autobahnen von den LKW und PKW stärker frequentiert, sondern auch die Zufahrtsstraßen.

Weiterer Druck auf den Wohnungsmarkt

Wer die Entwicklungen der Wohnungssituation im Raum Memmingen verfolgt, weiß, dass der Raum Memmingen längst zum Speckgürtel Münchens zählt und die Mieten dahingehend steigen. Ebenso kämpfen die Kommunen bei uns mit akutem Wohnungsmangel. Wie Erfahrungen aus anderen Standorten von Amazon Zentren zeigen, arbeitet das Unternehmen und deren Subunternehmen mit einem geringen Teil ortsansässiger Arbeitnehmer*Innen. Der größte Teil der Beschäftigten wird „billig“ aus Nachbarländern wie z.B. Polen, Rumänien oder Litauen rekrutiert. Diese Arbeitskräfte müssen dann auch irgendwo untergebracht werden. In der Folge wird nicht der hiesige Arbeitslosenmarkt entlastet, sondern der Wohnungsmarkt nur weiter unter Druck gesetzt.

„Aktionsgruppe Amazon“ fordert Handlungsrahmen

Dem Bündnis ist es wichtig zu zeigen, dass Konzerne wie Amazon wesentliche Teile unserer Wirtschaft, unserer Gesellschaft und unserer Natur zerstören könnten, sollte ihnen kein konsequenter Rahmen gegeben werden, in denen sie sich mit ihrem Handeln bewegen. Um diesen zu erreichen ist das Handeln der Politik, der einheimischen Unternehmen, aber auch der Konsument*Innen selbst nötig.  Wir stehen für Regionalität, faire Arbeitsbedingungen und nachhaltigen Konsum, daher lautet das Motto:

Guck’sch do, kauf’sch dahoim!