Guck’sch do, kauf’sch dahoim! Bündnis zum geplanten Amazon – Verteilzentrum

Kein Grund zum Jubeln

Die Berichterstattung über das geplante Verteilzentrum des US – Konzern Amazon in Memmingerberg, sowie die damit einhergehenden Bauvorhaben mögen für Außenstehende fast wie ein wirtschaftliches Wunder klingen: Neue Arbeitsplätze, mehr Raum für Parken, ein Verteilzentrum, das unsere bestellten Waren bald noch schneller vor die Haustüre liefert. Denkt man das Projekt nun aber bis zum Ende hat man schnell keinen Grund mehr zum Jubeln…

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Bild von josemiguels auf Pixabay

Der US – Konzern mischt in vielen Bereichen mit und geht dabei in den seltensten Fällen mit gutem Beispiel voran. Ausgehend von der vor einigen Monaten öffentlichen Diskussion zur Ansiedlung des Unternehmens haben sich daher Organisationen aus unterschiedlichen, gesellschaftlichen Bereichen zusammen geschlossen um gemeinsam auf die Konsequenzen hinzuweisen, die die Ansiedelung eines Unternehmens wie Amazon bringen wird. Die Allianz besteht aus der Gewerkschaft Ver.di, dem Kirchlichen Dienst in der Arbeitswelt der Evang.- Luth. Kirche in Bayern, der Betriebsseelsorge in der Diözese Augsburg, dem Bund Naturschutz in Bayern, der Partei Bündnis90/Die Grünen in Memmingen, der Bürgerinitiative Bürger gegen Fluglärm, sowie der KAB.

Massive Erhöhung des Verkehrsaufkommens

Beim Bau eines Verteilzentrums spielt für Amazon die direkte Anbindung an die A96 und die A7 bei Memmingen eine große Rolle. Laut Amazon sind mehrere hundert Touren im normalen Betrieb am Tag geplant. Die Lieferfahrzeuge sollen in kleinen Wellen eintreffen, in Gruppen abgefertigt und auf die Straßen geschickt werden. Zu beachten ist hierbei auch, dass Amazon in der Regel nicht nur mit seinen eigenen Fahrzeugen unterwegs ist. Durch das Heranziehen mehrerer Subunternehmen und privater Fahrer*Innen durch Amazon Flex wird ein Vielfaches der Fahrzeugmenge auf den Straßen unterwegs sein. Bei diesem Vorhaben ist mit einer massiven Erhöhung des Verkehrsaufkommens zu rechnen. Dabei werden nicht nur die Autobahnen von den LKW und PKW stärker frequentiert, sondern auch die Zufahrtsstraßen.

Weiterer Druck auf den Wohnungsmarkt

Wer die Entwicklungen der Wohnungssituation im Raum Memmingen verfolgt, weiß, dass der Raum Memmingen längst zum Speckgürtel Münchens zählt und die Mieten dahingehend steigen. Ebenso kämpfen die Kommunen bei uns mit akutem Wohnungsmangel. Wie Erfahrungen aus anderen Standorten von Amazon Zentren zeigen, arbeitet das Unternehmen und deren Subunternehmen mit einem geringen Teil ortsansässiger Arbeitnehmer*Innen. Der größte Teil der Beschäftigten wird „billig“ aus Nachbarländern wie z.B. Polen, Rumänien oder Litauen rekrutiert. Diese Arbeitskräfte müssen dann auch irgendwo untergebracht werden. In der Folge wird nicht der hiesige Arbeitslosenmarkt entlastet, sondern der Wohnungsmarkt nur weiter unter Druck gesetzt.

„Aktionsgruppe Amazon“ fordert Handlungsrahmen

Dem Bündnis ist es wichtig zu zeigen, dass Konzerne wie Amazon wesentliche Teile unserer Wirtschaft, unserer Gesellschaft und unserer Natur zerstören könnten, sollte ihnen kein konsequenter Rahmen gegeben werden, in denen sie sich mit ihrem Handeln bewegen. Um diesen zu erreichen ist das Handeln der Politik, der einheimischen Unternehmen, aber auch der Konsument*Innen selbst nötig.  Wir stehen für Regionalität, faire Arbeitsbedingungen und nachhaltigen Konsum, daher lautet das Motto:

Guck’sch do, kauf’sch dahoim!

Die KAB Memmingen – Unterallgäu stellt ihre Sonntagsdecke vor!

AN_Gottesdienst_04.07.2021 - KopieIn der Kirche St. Josef in Memmingen präsentiert der Ortsverband Memmingen am 04. Juli im Zuge eines Arbeitnehmer – Gottesdienstes die fertige Picknick-Decke der bundesweiten Mitmachaktion zum Thema Sonntagsschutz.

Die KAB – Ortsvorsitzende Ursula Kasten wies in einer Ansprache zu Beginn des Gottesdienstes auf die Bedeutung des freien Sonntag für uns und unseren Alltag hin und betonte wie wichtig es sei, dass dieser geschützt werde.AN-Gottesdienst_04.07.21 - Kopie

Die KAB Mitglieder brachten anschließend in ihren vorgetragenen Fürbitten ihre Gedanken und Dankbarkeit für alle diejenigen zum Ausdruck, die an Sonntagen arbeiten müssen um für unsere Gesellschaft da zu sein.

Aus vielen einzelnen Beiträgen von Sonntagsfreund*Innen entstand ein großes Statement zum Sonntagsschutz.

Denn es bleibt dabei, der Sonntag ist frei!

Diese Decke hängt nun für Interessierte noch eine Weile in der Pfarrkirche aus ehe sie zu ihrem nächsten Einsatz zum Schutz des freien Sonntags herangezogen wird.

KAB unterstützt Ver.di – Aktion zu Tarifverhandlungen im Handel

Kämpfen zusammen für faire Löhne im Handel!

Dem Ruf der Gewerkschaft Ver.di folgend nahm die KAB Memmingen – Unterallgäu zusammen mit der Betriebsseelsorge im Allgäu am Freitag, den 25.06., an einer Aktion zu den Tarifverhandlungen im Handel auf dem Schrannenplatz in Memmingen teil. Zahlreiche Mitarbeiter*Innen aus dem Handel waren gekommen um ihren Unmut aus dem vorgelegten Angebot der Arbeitgeber Ausdruck zu verleihen. Die Ver.di Gewerkschaftssekretärin Manuela Karn informierte darüber, dass demnach die Arbeitgeberseite konkret für 2021 nach zwei Nullmonaten eine Entgelterhöhung von nur 1,0 % anbot, erst in 2022 wolle man weitere 1,4 % und nach 24 Monaten bei einer Laufzeit von 36 Monaten 2,0 % geben. Dies sei nur als ein „unverschämtes“ Angebot zu bezeichnen.

Stellvertretend für die Betriebsseelsorge und die KAB sprach Dorothee Schindler den Mitarbeiter*Innen unsere Unterstützung aus. „Es kann nicht sein, dass die Arbeitgeber die Gewinne erhalten, die ihr erwirtschaftet habt“, so die Betriebsseelsorgerin.

Ebenso anwesend war Susanne Ferschl, die Bundestagsabgeordnete aus dem Wahlkreis Ostallgäu und stellvertretende Vorsitzende der Fraktion DIE LINKE. Sie solidarisierte sich ebenso mit den Beschäftigen des Handels und kritisierte, dass dieses Angebot nicht mal eine Reallohnsteigerung zur Folge hätte und so den direkten Weg in die Altersarmut ebnet.

Zum nächsten Verhandlungstermin am 29.06. erwartet man ein Angebot, dass den Einsatz der Mitarbeiter*Innen im Handel wertschätzt und ihnen den verdienten Respekt entgegen bringt. Unterstütze auch DU das Vorhaben und sorge dafür, dass aus dem „Klatschen keine Klatsche“ wird.

Weitere Infos findest du hier: Tarifinfo4_21_EH_06_07_03

Neues aus dem Diözesanverband: Auseinandersetzung mit Caritas-Direktor Dr. Magg endete konstruktiv

csm_Caritas_Pflege_Gespraech_Dr._Magg_06.2021_762137f4e6KAB: geschäftsführende Diözesanverbandsleitung (DVL) trifft Caritas-Direktor – Konsens nach an-fänglichem Schlagabtausch

Zu einem Austauschgespräch aus Anlass der Weigerung der Caritas, einer Allgemeinverbindlichkeit  zu einem Tarifvertrag in der Altenpflege zuzustimmen, kam es kürzlich in Augsburg. Die geschäftsführende DVL der KAB Augsburg kam mit Diözesan-Caritasdirektor Dr. Andreas Magg in einer virtuellen Konferenz zusammen. Nach anfänglicher Kritik konnte bald der Konsens wiederhergestellt werden.

Auf Einladung von Diözesanpräses Georg Steinmetz fand das Treffen des Vorstands der KAB Augsburg mit Diözesan-Caritasdirektor Dr. Magg statt. Nachdem es im Vorfeld zu Unstimmigkeiten gekommen war, freute sich dieser, dass es nun zu einem direkten Austausch komme. Diözesansekretär Peter Ziegler betonte den Anspruch des Verbands, für eine angemessene Entlohnung der Beschäftigten in der Pflege einzutreten. Hierbei bezweifelte er die Position der Caritas, dass eine höhere Entlohnung als der des allgemeinverbindlichen Mindestlohns als „unwirtschaftlich“ bewertet und daher nicht refinanziert würde. Dr. Magg betonte den Einsatz der Caritas für die eigenen Beschäftigten, die sich mit dem vorgeschlagenen Tarifvertrag schlechter gestellt hätten. Zudem verwahrte er sich gegen den Eingriff des Staates in die Tarifautonomie. Er bedauerte, dass die Gewerkschaft ver.di sich der Mitarbeit im Dritten Weg verweigern würde. Dies sei einer der Hintergründe, weshalb der Konflikt im März derart hochgekocht sei.

Aufgrund der aktuell neuen Rahmenbedingungen fragte Ziegler nach der Einschätzung, inwieweit die Vorlage aus dem Hause Spahn nach Einschätzung von Herrn Dr. Magg dazu führen könnten, dass neue Gefälligkeits-Tarifverträge entstehen könnten. Dieser schätzte die Gefahr als eher gering ein. Darüber hinaus sei es dringend geboten, den Eigenanteil der Pflegebedürftigen zu begrenzen, denn eine Lohnerhöhung auf der einen Seite hätte zwangsläufig eine Kostensteigerung bei den Pflegebedürftigen zur Folge.

In der Folge kam man überein, das Thema Pflege einmal grundsätzlicher angehen zu müssen – es brauche eine gesellschaftliche Debatte darüber, was Pflege eine Gesellschaft kosten dürfe. Hier sei ein Mix verschiedener Versorgungsformen dringend geboten. Auch müsse ein Pflegeheim sein immer noch negatives Image in der Gesellschaft verlieren. Es wurde beschlossen, nach der Bundestagswahl wieder zusammenzukommen, um sich weiter diesem Thema zu widmen. Dann seien nicht nur die Ohren der politisch Verantwortlichen offen, sondern es gebe auch die Bereitschaft, etwas anzugehen…

Neues aus dem Bundesverband: Statement zu Spahns Pflegereform

Tarifbindung in der Pflege muss auch bessere Vergütung beinhalten

 

Bild: pixabay.com, David Mark
Bild: pixabay.com, David Mark

„Pflegekräfte und Pflegende haben mehr verdient, als nur einen angemessenen Lohn“, betont Andreas Luttmer-Bensmann. Der Bundesvorsitzende der KAB Deutschlands begrüßt, dass Gesundheitsminister Jens Spahn mit dem Versorgungs-Weiterentwicklungsgesetz auch die Tarifbindung für die etwa 30.000 Pflegeheime und Pflegedienste einführen will.

„Der Druck von Gewerkschaften und Arbeitnehmerbewegungen hat endlich dazu geführt, dass kurz vorm Ende der Legislaturperiode in Berlin die notwendigen Hausaufgaben gemacht werden und nicht nur unverbindlich Beifall geklatscht wird“, so der Bundesvorsitzende.

Wettbewerb in der Pflege und den Pflegeeinrichtungen müsse laut KAB die Qualität erhöhen und darf nicht zu schlechterer Versorgung und schlechteren Arbeitsbedingungen führen. Mit der jetzt vorliegenden Tariftreueregelung und dem Ziel einer besseren Personalausstattung sowie der Bezuschussung der Eigenanteile haben SPD und Union das Problem endlich erkannt. Wichtig sei es, so Luttmer-Bensmann, dass bundesweite Flächentarife mit fairen Löhnen wie der ausgehandelte Altenpflegetarif angewendet werden und es keine regionalen Abschlüsse geben darf. Als unausgereift bezeichnet der KAB-Bundesvorsitzende die Finanzierungspläne von CDU-Gesundheitsminister Spahn. „Es darf keine Pflege nur für Gutverdienende geben. Zu Pflegende und Angehörige brauchen eine klare Ansage zu den Kosten“, so die KAB. Statt prozentual gestaffelter Zuschüsse bräuchten die Betroffenen eine kalkulierbare Deckelung der Eigenanteile.

Spahn vergisst die pflegenden Angehörigen

Kritik übte die KAB Deutschlands auch an der ambulanten Versorgung. Immer noch werden gut neunzig Prozent zu Hause von Angehörigen gepflegt. „Der Gesundheitsminister hat mit seinen Pflegereformplänen die Millionen pflegenden Angehörigen vergessen“, beklagt Luttmer-Bensmann. Die KAB fordert eine Aufwertung der häuslichen Pflege und eine Anhebung des Pflegegeldes für Angehörige.

(Quelle: KAB Deutschland e.V.)